Frühe Streuung von Hirnmetastasen noch vor klarer MRT-Sichtbarkeit
Frühe Streuung von Hirnmetastasen noch vor klarer MRT-Sichtbarkeit, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Regensburg rückt in den Fokus der Krebsforschung. Neue Daten stellen eine langjährige Annahme infrage. Metastasen bleiben offenbar nicht auf ihren ursprünglichen Ort im Organ beschränkt. Ein Team aus Bayern legt dazu Ergebnisse vor. Beteiligt sind das Universitätsklinikum Regensburg und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Studie erschien im Fachjournal Molecular Cancer.

Inhaltsverzeichnis

Raquel Blazquez und Tobias Pukrop in Regensburg

Seit mehr als 10 Jahren untersucht das Team um Dr. Raquel Blazquez und Professor Tobias Pukrop die Entwicklung von Metastasen nach ihrer Ansiedlung im Körper. Im Mittelpunkt standen diesmal Hirnmetastasen. Gerade im Gehirn zeigen sich deutliche Unterschiede im Wachstum.

Die Forschenden weisen nach, dass bestimmte Metastasen früh einzelne Krebszellen freisetzen. Diese Zellen können sich innerhalb desselben Organs erneut festsetzen. So entstehen weitere Tumorherde. Das widerspricht der bisherigen Annahme einer rein lokalen Expansion. Weitere Hintergründe zu Krebs und Prävention finden sich unter Brustkrebs.

Hirnmetastasen und Magnetresonanztomografie

Ein Teil der untersuchten Metastasen wächst kompakt an einer Stelle. Andere verhalten sich aggressiver. Sie geben Tumorzellen ab, teils noch bevor die ursprüngliche Metastase in der Magnetresonanztomografie eindeutig sichtbar ist. Diese frühe Streuung erfolgt also vor einer klaren MRT-Diagnose.

Einige der neu entstandenen Herde wachsen schneller als der Ausgangstumor. Damit wird der Krankheitsverlauf komplexer. Bisher ging man häufig davon aus, dass jede sichtbare Metastase direkt auf die Streuung des Primärtumors zurückgeht. Ergänzende Forschungsergebnisse zu diesem Thema werden hier dargestellt.

Beobachtete Unterschiede im Wachstum

  1. Kompakte Expansion an einem Ort
  2. Frühe Abgabe einzelner Tumorzellen
  3. Neubildung weiterer Herde im selben Organ
  4. Teilweise schnelleres Wachstum der Tochterherde

Klinische Folgen im Gehirn

Das Gehirn reagiert empfindlich auf zusätzliche Raumforderungen. Schon kleine neue Herde können:

  • neurologische Ausfälle verursachen
  • Sprachstörungen auslösen
  • Krampfanfälle hervorrufen

Metastasierte Erkrankungen sind für den Großteil krebsbedingter Todesfälle verantwortlich. Oft versagen einzelne Organe. Ein besseres Verständnis sogenannter sekundärer Ausbreitungswellen gilt daher als wichtiger Baustein moderner Präzisionsmedizin. Mehr zum Themenfeld Gesundheit MEHR.

Professor Pukrop betont jedoch, dass es für konkrete Therapieänderungen noch zu früh sei. „So weit sind wir in der klinischen Anwendung aber noch nicht“, erklärt er. Auch Studienleiterin Blazquez spricht von ungewöhnlich klaren Befunden. Leitlinien bleiben vorerst unverändert.

Diskutiert werden dennoch mehrere Ansätze:

  • engmaschigere Kontrollen kleiner Metastasen
  • früherer Einsatz systemischer Therapien
  • angepasste Bestrahlungskonzepte bei Hirnmetastasen

Weitere Untersuchungen und klinische Studien sollen nun klären, wie groß die praktische Bedeutung der Ergebnisse ist. Ziel bleibt es, biologische Erkenntnisse sorgfältig zu prüfen und sie langfristig in konkrete Vorteile für Patientinnen und Patienten zu übertragen. Mehr Informationen zur Veröffentlichung finden sich beim Fachjournal unter https://molecular-cancer.biomedcentral.com/.

FAQ

Was zeigt die Studie aus Regensburg zu Metastasen?

Die Untersuchung des Universitätsklinikums Regensburg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zeigt, dass bestimmte Metastasen früh einzelne Krebszellen freisetzen und innerhalb desselben Organs neue Tumorherde bilden können.

Warum widersprechen die Ergebnisse bisherigen Annahmen?

Bislang ging man davon aus, dass Metastasen ausschließlich lokal wachsen und keine weiteren Tochtergeschwülste im selben Organ erzeugen. Die neuen Daten belegen jedoch eine erneute Ausbreitung durch bereits bestehende Metastasen.

Welche Rolle spielt die Magnetresonanztomografie?

Die Forschenden stellten fest, dass aggressive Metastasen Tumorzellen abgeben können, noch bevor die ursprüngliche Metastase in der Magnetresonanztomografie eindeutig sichtbar ist.

Welche Folgen können zusätzliche Hirnmetastasen haben?

Schon kleine neue Herde im Gehirn können neurologische Ausfälle, Sprachstörungen oder Krampfanfälle verursachen, da das Organ empfindlich auf zusätzliche Raumforderungen reagiert.

Hat die Studie bereits Auswirkungen auf Therapieleitlinien?

Nach Angaben von Professor Tobias Pukrop ist es für konkrete Änderungen in der klinischen Anwendung noch zu früh. Weitere Studien sollen klären, welche therapeutischen Konsequenzen sich aus den Erkenntnissen ergeben.

Quelle: Berliner Morgenpost, Patizonet