Holzfigur hält sich das schmerzende Knie – Symbolbild für Kniebeschwerden und eingeschränkte Kniekontrolle
Knieschmerzen und eingeschränkte Gelenkstabilität können alltägliche Bewegungen deutlich erschweren/pixabay

Eine eingeschränkte Kontrolle des Kniegelenks kann alltägliche Bewegungen deutlich erschweren. Besonders problematisch sind Situationen, in denen das Knie während des Gehens unerwartet nachgibt oder sich nicht ausreichend stabilisieren lässt.

Betroffen sein können unter anderem Menschen mit neurologischen Erkrankungen, Nervenschädigungen oder einer inkompletten Querschnittslähmung. Moderne Orthesensysteme setzen deshalb zunehmend auf Sensoren und mikroprozessorgesteuerte Gelenke, die Bewegungen fortlaufend erfassen und die Unterstützung an die jeweilige.

Wie moderne Ganzbeinorthesen arbeiten

Eine klassische Ganzbeinorthese stabilisiert das Bein mechanisch. Mikroprozessorgesteuerte Systeme gehen einen Schritt weiter. Sensoren erfassen Bewegungsdaten in Echtzeit und geben diese an die Steuereinheit weiter. Das Gelenk kann dadurch auf unterschiedliche Bewegungsphasen reagieren und den Widerstand bei Beugung oder Streckung anpassen.

Ein Beispiel für diese technische Entwicklung ist eine brace orthese mit elektronisch gesteuertem Kniegelenk. Sie wird individuell an den Anwender angepasst und soll insbesondere dann unterstützen, wenn die kniestreckende Muskulatur nur eingeschränkt oder nicht ausreichend aktiv ist.

Standphase und Schwungphase werden berücksichtigt

Beim Gehen wechseln sich Standphase und Schwungphase ständig ab. Während der Standphase muss das Bein das Körpergewicht stabil tragen. In der Schwungphase soll sich das Knie dagegen frei genug bewegen können, damit der Fuß kontrolliert nach vorn geführt wird.

Moderne mikroprozessorgesteuerte Systeme können beide Phasen berücksichtigen. In der Standphase wird das Knie stabilisiert, um ein plötzliches Wegknicken zu reduzieren. Während der Schwungphase kann das Gelenk eine kontrollierte Kniebewegung ermöglichen. Dadurch unterscheidet sich die Technik von einfacheren Orthesen, die vor allem über mechanische Sperren oder feste Widerstände arbeiten.

Unterstützung auf Rampen und Treppen

Besonders anspruchsvoll sind Gefälle, Rampen und Treppen. Beim Hinabsteigen muss das Knie kontrolliert nachgeben, ohne die Stabilität vollständig zu verlieren. Auch unebene Untergründe stellen hohe Anforderungen an Gleichgewicht und Bewegungssteuerung.

Beim cbrace werden Bewegungen über integrierte Sensoren erfasst. Die mikroprozessorgesteuerte Einheit reguliert anschließend das hydraulische Kniegelenk entsprechend der jeweiligen Bewegungssituation. Ziel ist ein kontrollierterer Bewegungsablauf bei wechselnden Untergründen und unterschiedlichen Alltagssituationen.

Für welche Anwender die Technik infrage kommen kann

Eine solche Versorgung kommt grundsätzlich für Menschen infrage, deren Kniekontrolle infolge neurologischer oder neuromuskulärer Einschränkungen reduziert ist. Als mögliche Ursachen werden unter anderem inkomplette Querschnittslähmungen, Schädel-Hirn-Traumata, Nervenschäden oder Multiple Sklerose genannt.

Ob eine mikroprozessorgesteuerte Ganzbeinorthese im individuellen Fall geeignet ist, lässt sich jedoch nicht allein anhand einer Diagnose entscheiden. Entscheidend sind unter anderem Muskelstatus, Beweglichkeit, Stabilität der Gelenke und die persönlichen Mobilitätsziele. Die Versorgung wird deshalb individuell geplant und angepasst.

Individuelle Anpassung bleibt entscheidend

Die elektronische Steuerung ersetzt nicht die fachgerechte orthopädietechnische Anpassung. Sitz, Länge, Gelenkposition und Führung des Beins müssen auf den jeweiligen Nutzer abgestimmt werden. Erst dadurch kann die technische Funktion des Systems sinnvoll in den Alltag übertragen werden.

Bei modernen Lösungen können zusätzlich unterschiedliche Modi vorgesehen sein. Dazu zählt beispielsweise eine Einstellung für das Fahrradfahren, bei der das Knie freier bewegt werden kann. Solche Funktionen zeigen, wie stark sich Orthesentechnik inzwischen von rein mechanischen Konstruktionen weiterentwickelt hat.

Technik soll mehr Kontrolle im Alltag ermöglichen

Mikroprozessorgesteuerte Ganzbeinorthesen verbinden klassische Orthopädietechnik mit Sensorik, Hydraulik und elektronischer Steuerung. Sie reagieren auf Bewegungen und passen die Unterstützung an verschiedene Phasen des Gehens an. Für Menschen mit verminderter Kniekontrolle kann dies eine zusätzliche Möglichkeit sein, Bewegungsabläufe kontrollierter zu gestalten.

Welche Versorgung geeignet ist, hängt immer von den individuellen körperlichen Voraussetzungen und dem konkreten Einsatzbereich ab. Deshalb stehen bei solchen Systemen nicht nur die technische Ausstattung, sondern vor allem die persönliche Anpassung und fachliche Begleitung im Mittelpunkt.

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