Rauchen beeinflusst die psychische Gesundheit langfristig,
Rauchen beeinflusst die psychische Gesundheit langfristig, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Der Griff zur Zigarette gilt für viele als kurze Entlastung. Stress, Erschöpfung oder anhaltende Niedergeschlagenheit spielen dabei oft eine Rolle. Neue Auswertungen großer deutscher Bevölkerungsdaten zeigen jedoch, dass Rauchgewohnheiten eng mit der seelischen Gesundheit verbunden sind. Die Zusammenhänge betreffen nicht einzelne Momente, sondern lange Zeiträume. Ähnliche Wechselwirkungen zwischen Verhalten und Stimmung werden auch im Zusammenhang mit Ernährung und Stimmung beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

NAKO Gesundheitsstudie Deutschland

Die Analyse basiert auf Daten der NAKO Gesundheitsstudie, koordiniert von NAKO e.V. und ausgewertet unter Leitung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim. Untersucht wurden 173.890 Erwachsene im Alter von 19 bis 72 Jahren. Rund 50 Prozent waren Frauen. Erfasst wurden ärztlich diagnostizierte Depressionen, aktuelle depressive Symptome sowie detaillierte Angaben zum Rauchverhalten. Ergänzend beschäftigen sich auch andere Forschungsfelder mit Einflüssen auf die Psyche, mehr hier.

Aktuelle und ehemalige Rauchende berichteten häufiger über Depressionen als Personen ohne Raucherfahrung. Dieser Unterschied zeigte sich sowohl über den Lebensverlauf als auch bei aktuellen Beschwerden. Die Muster traten über viele Jahre hinweg auf. Mehr Informationen zum Thema psychische Gesundheit finden Sie auf dieser Website: www.extratimeout.com/de/gesundheit

Alter und Lebensphase 40 bis 59

Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede im mittleren Lebensalter. Zwischen 40 und 59 Jahren traten depressive Symptome bei Rauchenden deutlich häufiger auf als bei Gleichaltrigen ohne Rauchbiografie. Der Zusammenhang war nicht punktuell, sondern über längere Zeit stabil.

Carolin Marie Callies von der Universität Mannheim weist darauf hin, dass neben sozialen Faktoren auch zeitliche Aspekte eine Rolle spielen. Dazu zählen Beginn, Dauer und Veränderung des Konsums. Vergleichbare Belastungsfaktoren werden auch bei chronischer Schlaflosigkeit beobachtet.

Zigarettenmenge und Beginn

Ein klarer Dosis-Effekt wurde messbar. Mit jeder zusätzlich gerauchten Zigarette stieg der Depressions-Symptomwert im Durchschnitt um 0,05 Punkte. Kurzfristig wirkt dieser Wert gering. Über Monate und Jahre summiert er sich.

Auch der Zeitpunkt des Rauchbeginns war relevant. Pro Jahr späterem Einstieg verschob sich der erste depressive Krankheitsschub um etwa 0,24 Jahre nach hinten. Ein früher Rauchbeginn ging somit mit einem früheren Auftreten depressiver Beschwerden einher.

Maja Völker vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit erklärte wörtlich: „Wir haben insbesondere die Dosis-Wirkungs-Beziehungen und zeitlichen Faktoren wie das Alter bei Beginn und die Zeit seit der Rauchentwöhnung untersucht.“

Rauchstopp und Abstinenz

Neben Menge und Beginn zeigte sich ein weiterer Zusammenhang. Je länger der letzte Zigarettenkonsum zurücklag, desto weiter lag auch die letzte depressive Episode zurück. Pro Jahr Rauchabstinenz verlängerte sich dieser Abstand um rund 0,17 Jahre. Gleichzeitig nahmen aktuelle depressive Symptome ab.

Dr. Fabian Streit vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit fasste die Ergebnisse so zusammen: „Ein höherer Zigarettenkonsum ging mit schwereren depressiven Symptomen einher, während ein längerer Zeitraum seit dem Rauchstopp mit besseren Depressionswerten verbunden war.“

  • Menge zählt. Weniger Zigaretten stehen mit geringerer seelischer Belastung in Verbindung.
  • Zeit wirkt. Längere Abstinenz geht mit stabileren Depressionswerten einher.

Die Daten stammen aus Befragungen und bilden einen Zeitpunkt ab. Ursache und Wirkung lassen sich daraus nicht ableiten. Andere Tabakprodukte wie Zigarren oder Pfeifen wurden nicht erfasst. Dennoch zeigt sich ein konsistentes Gesamtbild: Rauchen betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die psychische Gesundheit über viele Jahre hinweg.

FAQ

Was zeigt die deutsche Datenanalyse zum Zusammenhang zwischen Rauchen und Depression?

Die Auswertung großer deutscher Bevölkerungsdaten zeigt, dass aktuelle und ehemalige Rauchende häufiger über depressive Erkrankungen und Symptome berichten als Personen ohne Raucherfahrung.

Auf welchen Daten basiert die Untersuchung zu Rauchen und psychischer Gesundheit?

Die Analyse basiert auf Daten der NAKO Gesundheitsstudie mit Angaben von 173.890 Erwachsenen im Alter zwischen 19 und 72 Jahren, ausgewertet unter Leitung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Welche Rolle spielt die Menge der gerauchten Zigaretten?

Mit jeder zusätzlich gerauchten Zigarette stieg der Depressions-Symptomwert im Durchschnitt um 0,05 Punkte, wobei sich dieser Effekt über Monate und Jahre deutlich verstärken kann.

Warum ist der Zeitpunkt des Rauchbeginns relevant?

Ein späterer Rauchbeginn verschob den ersten depressiven Krankheitsschub im Durchschnitt nach hinten, während ein früher Einstieg mit einem früheren Auftreten depressiver Beschwerden verbunden war.

Welche Auswirkungen hat ein Rauchstopp auf die Psyche?

Je länger die Rauchabstinenz anhielt, desto weiter lag in der Regel die letzte depressive Episode zurück, zudem nahmen aktuelle depressive Symptome messbar ab.

Quelle: FOCUS, SN2 WORLD