Künstliche Intelligenz kann Fehler machen
Künstliche Intelligenz kann Fehler machen, Pixabay/Foto illustrativ

Die Diskussion über den Einfluss künstlicher Intelligenz in der Literatur nimmt Fahrt auf. In Großbritannien wurde ein Roman mit dem Hinweis "menschengeschrieben" veröffentlicht. Damit soll eine klare Trennung zwischen menschlicher und maschineller Arbeit geschaffen werden. Auch in Deutschland fragen sich Autorinnen und Autoren, ob eine verpflichtende Kennzeichnung eingeführt werden soll. Die Debatte wird von zahlreichen Beispielen und Stimmen aus der Branche begleitet.

Inhaltsverzeichnis:

Mario Giordano in Berlin

Der Schriftsteller Mario Giordano testete die Technik in seinem Arbeitszimmer im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Er beauftragte einen KI-Chatbot, einen Bestseller-Plot in seinem Stil zu entwerfen. Das Ergebnis war für ihn enttäuschend und unkreativ. Der Vorschlag der Maschine bestand aus einem klischeehaften Szenario an der ligurischen Küste. Giordano betonte, dass Literatur mehr verlange als den wahrscheinlichen Fall. Es gehe um Abweichung, Überraschung und künstlerische Eigenleistung.

Die Arbeitsweise der Programme ist dabei klar. KI berechnet Texte auf Grundlage von Millionen vorhandener Daten. Sie ahmt Muster nach, statt Neues zu schaffen. Für Giordano ist das der Kern des Problems: Kreativität entsteht nicht durch Statistik.

Kinderbücher, Kochbücher und Ratgeber

Während Belletristik noch als Schwachpunkt gilt, gibt es Bereiche, in denen die Technik schon erfolgreich eingesetzt wird. Dazu gehören:

  • Kinderbücher
  • Kochbücher
  • Ratgeber
  • Reiseführer

Die Schriftstellerin Nina George bestätigt, dass KI hier bereits weit verbreitet ist. Diese Literaturgattungen benötigen oft nur kurze Texte. Genau darin liegt die Stärke der Systeme. Doch bei Romanen mit komplexem Handlungsaufbau erreicht die Technik noch Grenzen. Bisher schafft sie nur wenige Tausend Zeichen, also einige Seiten.

George sieht mögliche Risiken vor allem bei Genres mit strengen Mustern. Serienromane wie Arzt- oder Liebesgeschichten könnten bald vollständig von Maschinen geschrieben werden. Anspruchsvolle Werke, die Zeitgeist und neue Ideen transportieren, bleiben jedoch Menschen vorbehalten.

Siegel in Großbritannien, USA und Deutschland

In den USA führte die Vereinigung "Authors Guild" 2023 ein Siegel ein, das menschliche Autorenschaft garantiert. Leserinnen und Leser sollen wissen, wer ihr Buch verfasst hat. In Großbritannien bewirbt die Autorin Sarah Hall ihr Werk mit dem Aufdruck "menschengeschrieben".

In Deutschland wird heftig diskutiert. Tobias Kiwitt vom Bundesverband junger Autorinnen und Autoren fordert, dass nicht menschliche, sondern maschinell erzeugte Texte gekennzeichnet werden müssen. Bücher von Menschen seien der Normalfall und sollten nicht extra markiert werden. Kiwitt plädiert für eine Selbstverpflichtung der Branche, um Transparenz zu sichern.

Auch Nina George hält ein Siegel für sinnvoll. Sie verweist auf Fehler in KI-Literatur. Ein englischer Pilzführer von 2023 enthielt lebensgefährliche Empfehlungen zur Bestimmung unbekannter Pilze. Außerdem zeigten Fachzeitschriften 2024 Illustrationen, die groteske Darstellungen wie eine Ratte mit überdimensionalem Geschlechtsorgan enthielten. Für George ist klar, dass Maschinen aktuell noch fehleranfällig sind.

Künstliche Intelligenz kann Fehler machen
Künstliche Intelligenz kann Fehler machen, Pixabay/Foto illustrativ

Sorgen und Chancen

Nicht alle sehen in der Kennzeichnung einen Vorteil. Mario Giordano erinnert an das Beispiel "Made in Germany". Ursprünglich sollte es im 19. Jahrhundert in Großbritannien vor minderwertigen deutschen Produkten warnen. Heute gilt es als Qualitätssiegel. Der Autor befürchtet, dass ein ähnlicher Effekt eintreten könnte: Ein Kennzeichen könnte die KI-Literatur sogar aufwerten.

Die Diskussion bleibt offen. Fest steht, dass künstliche Intelligenz die Literaturwelt verändert hat. Kinderbücher, Ratgeber und Reiseführer entstehen längst automatisiert. Romane könnten folgen. Autorinnen und Autoren, Verlage und Leserinnen stehen vor der Entscheidung, wie viel Raum Maschinen in der Literatur bekommen sollen. Ob ein Siegel Pflicht wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren.

Quelle: RBB24